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Marine-Verein

Vorstand des Marineverein Hof (v.l.n.r.) 2. Vorsitzender Alexander Spörl, 1. Vorsitzender Mirco Schlegel, Schriftführer Josef Obermeier, Schatzmeister Matthias Mergner

Historie des Marine-Vereins Hof v. 1906 e. V.

Mit der Aufrüstung der kaiserlichen Kriegsmarine unter Wilhelm II. und dem Erwerb deutscher Kolonien in Afrika und Übersee an der Schwelle des 20. Jahrhunderts, dienten damals zahlreiche Männer im damaligen Deutschen Reich als Matrosen oder koloniale Schutztruppensoldaten. Jene Männer, die nach ihrem dienstlichen Ausscheiden weiterhin die an Bord und in der Fremde erlebte Kameradschaft auch zu Hause weiter pflegen wollten, gründeten damals im gesamten Deutschen Reich „Marine- und Schutztruppenvereine“. Auch in Hof fanden sich im Jahre 1906 Kameraden zusammen, die, neben dem bereits existierenden „Seeverein“, dem vorwiegend Offiziere angehörten, am 04. August die „Vereinigung ehemaliger Schutztruppen- und Marineangehöriger Hof und Umgegend“ mit Hans Goller als Vorsitzenden, gründeten

Kurz nach Ende des ersten Weltkrieges, nachdem auch die Revolutionswirren abebbten, erwachte die „Vereinigung ehemaliger Schutztruppen- und Marineangehöriger Hof und Umgegend“ wieder zu neuem Leben. Im Jahr 1923 wurde der Name unter dem neuen Vorsitzenden Dr. Basset in „Marine- und Schutztruppenverein Hof“ geändert und mit dem Einverständnis von Admiral Scheer, dessen Name an den bestehenden Vereinsnamen beigefügt. Die Mitgliederzahl wuchs stetig, nicht zuletzt durch das in den „Goldenen 20ern“ aufblühende Gesellschafts- und Vereinsleben. Durch den Verein wurden sogar Theatervorstellungen im damaligen „Pfaffcolosseum“, dem späteren Stadttheater, aufgeführt. Vereinslokal war bis 1922 die „Blaue Grotte“, über die Gaststätten „Ludwigsburg“ und „Bürgerbräu“ kamen die Kameraden schließlich in den „Weißenburger Hof“, wo sie bis zu ihrer Auflösung unter dem 1. Vorstand, Eugen Sommer, im Jahr 1945 verblieben.

Hof war damals wie auch heute der Marine sehr zugetan, was sich stets in der relativ hohen Zahl an Vereinsmitgliedern wiederspiegelt. Nach München war Hof der zweitgrößte Marineverein in Bayern. Bemerkenswert ist, dass bereits 1925 wurde auf Anregung des damaligen Vorsitzenden Dr. Basset eine eigene Jugendgruppe ins Leben gerufen wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg waren zunächst jegliche Vereinigungen und Vereine verboten. Erst Anfang der 50 Jahre des vorigen Jahrhunderts fanden sich einige „Ehemalige“ wieder zusammen, um den Verein erneut auf die Beine zu stellen. Am 06. Oktober 1954 kam es dann zur Neugründung der „Marinekameradschaft Admiral Scheer“ in der Gaststätte „Freie Scholle“. 1. Vorsitzender wurde wieder Eugen Sommer. Leider wurden in den Jahren nach der Neugründung bis 1958 keinerlei Aufzeichnungen geführt wurden, so dass die Historie lediglich auf mündliche Aussagen von Gründungsmitgliedern basieren. Auch seit der Gründung 1906 sind leider nur ganz wenige Schriftstücke vorhanden.

In den darauffolgenden Jahren stieg die Anzahl der Mitglieder durch rege Mitgliederwerbung und gesellschaftliche Veranstaltungen rasch an. Vereinslokal war bis zum Tod des Vereinswirtes Fritz Söllner die „Freie Scholle“. 1957 erfolgte der Umzug in die Gaststätte „Traube“ und 1960 dann mit rund 60 Kameraden in den „Bayreuther Hof“. Erste Kontakte mit anderen benachbarten Marinekameradschaften wurden geknüpft, die durch gegenseitige Vereinsfahrten gefestigt und mit Patenschaften zum Teil zementiert wurden. Im Jahr 1968 trat die Marinekameradschaft Hof dann dem Deutschen Marinebund e. V. als Dachorganisation bei.

1971 bekam dann die Marinekameradschaft Hof einen für sie sehr „wertvollen“ Zugang in Persona des damaligen Kapitän z. See Wilhelm Maihofer, der als Standortältester der Bundeswehrkaserne Hof eingesetzt wurde. Erste Verhandlungen zur Übernahme einer Patenschaft mit einem Marineschiff wurden möglich und realisiert. Im Dezember 1973 beschloss der Stadtrat der Stadt Hof dann die Übernahme einer Patenschaft mit dem Binnenminensuchboot „Frauenlob“ im Verein mit der MK Hof.

Ebenfalls 1973, und zwar am 13. April, wurde das neue Vereinsheim „Kajüte Frauenlob“ unter dem neuen ersten Vorsitzenden Heinrich Raithel in der Ludwigstraße eingeweiht. Auf Anregung des damaligen vorigen ersten Vorsitzenden, Erwin Becher, entstand in einem Hinterhaus in der Ludwigstraße nach 1500 Arbeitsstunden das neue Vereinsheim, in der der Marine-Verein bis heute beheimatet ist. Bis 1977 stieg die Zahl der Mitglieder kontinuierlich auf bis zu 110 an, was nicht zuletzt den vielen Veranstaltungen, wie etwa ein großer „Marinefasching“ in der Freiheitshalle zu verdanken war.

Im Jahr 1977 wurde erneut eine Jugendgruppe gegründet. Die Gruppenstunden fanden zunächst in Räumlichkeiten der Bundeswehrkaserne statt. Unter Anleitung erfahrener Fahrensmänner, allen voran der damals in Hof verweilende Fregattenkapitän Manfred Schimke, erlernten die Jugendlichen die ersten Begriffe in der Seemannschaft. Peter Seumel, frisch zurück aus der Bundesmarine, übernahm 1979 den Vorsitz der Marine-Jugend. 1980 trennte sich dann die Marine-Jugend von der Marinekameradschaft – der Gemeinnützigkeit wegen – und gab sich den Namen „Marine-Jugend Hof e. V.“. Sitz und Vereinsheim war ein, von der MK erworbenes Grundstück am Saalleitenweg, worauf mit Hilfe des berühmten „Vitamin B“ und jugendlichem Elan unter handwerklicher Anleitung des damaligen zweiten Vorsitzenden der MJ, Roland Raithel, selbständig ein Vereinsheim errichtet wurde.

Nachdem das Binnenminensuchboot „Frauenlob“ im Jahr 2002 ausgemustert wurde, gelang es erneut mit der Stadt Hof eine Patenschaft für ein Schiff zu übernehmen. Seit dem Jahr 2004 steht die „Alster“, ein Flottendienstboot der Deutschen Marine, unter einer intensiv gepflegten und kultivierten Patenschaft.

Über die Jahre stieg die Mitgliederzahl weiter an, bis zu deren Kulmination im Jahr 2000. Hier verzeichnete die MK Hof einen Bestand von 155 Mitgliedern.

Im Jahr 2007 übernahm dann Peter Seumel das Amt des ersten Vorsitzenden vom langjährigen und zwischenzeitlich verstorbenen Heinrich Raithel, der dem Verein 34 Jahre vorstand. Die Patenschaft zur „Alster“ wurde intensiviert und findet noch heute ihre jährlichen Höhepunkte in den Besuchen und Gegenbesuchen anlässlich der Kieler Woche sowie dem „Schlappentag“ oder der Weihnachtsfeier.

Fest etabliert und ein Aushängeschild des Vereins ist der Shanty-Chor. Gegründet wurde dieser im Jahr 1983 auf Anregung des zwischenzeitlich verstorbenen Mitglieds Max Wolfrum. Da sich mit dem Ableben des Chorleiters Max Fritz kein Nachfolger fand, musst der Chor aufgelöst werden. Im Jahr 2006 saßen dann Kameraden zusammen, um die 1oo-Jahr-Feier mit etwas maritimen Gesang zu untermalen. Begleitet von Heinz Böhm am Akkordeon, machte dies den Mannen soviel Spaß, dass der Chor unter der Führung von Günter Bähr erneut offiziell wieder ins Leben gerufen wurde. Walter Thurow übernahm im Jahr 2018 von Günter Bähr den Vorsitz des Chors, dem bis dato 30 Sänger angehören.

Mit der „U-Bootsback“, einem Verein ehemaliger U-Bootfahrer, der sich leider im Jahr 2008 altersbedingt auflösen musste, und der dem Verein kooperativ angeschlossen war, wurde über die Jahre hinweg eine intensive Zusammenarbeit gepflegt.

Im Jahr 2019 standen bei der Marinekameradschaft Hof Neuwahlen an. Da sich die bisherige Vereinsführung nicht mehr zur Wahl stellte und sich keine Mitglieder aus den eigenen Reihen für diese Ämter fanden, stand der Verein vor der Auflösung. Da dies aber bei einem Mitgliederbestand von annähernd 90 Personen so nicht sein durfte, schlug die Vorstandschaft der Marine-Jugend Hof e. V. unter der Leitung von Mirco Schlegel vor, beide Vereine zu vereinigen. Dies fand in beiden Vereinen breite Zustimmung und am 16. Februar 2019 erfolgte die vereinsrechtliche „Verschmelzung“ in einer Mitgliederversammlung unter der notariellen Aufsicht des Herrn Dr. Bernauer in den Räumen des ATS-Hof West. Die Marinekameradschaft „Admiral Scheer“ Hof e. V. und die „Marine-Jugend Hof e. V. “ vereinigten sich hier in den neuen „Marine-Verein Hof von 1906 e.V.“ Dies bedeutete konkret die Aufnahme aller Mitglieder der aufgelösten Marinekameradschaft Hof in den weiterhin bestehenden Verein der „Marine-Jugend Hof e. V.“ mit anschließender Umbenennung und Verabschiedung einer neuen Satzung unter Beibehaltung der Gemeinnützigkeit.

Der Marine-Verein Hof ist nun mit 120 Personen der mitgliederstärkste Marine-Verein im Landesverband Bayern des Deutschen Marinebundes, mit eigener Jugendabteilung und Shanty-Chor. Neben den beiden Vereinsheimen steht den Mitgliedern eine eigene Bootshalle am Heimatgewässer „Untreusee“ mit Wasserliegeplätzen zur Verfügung. Wassersport kann u. a. mit den vereinseigenen Jollen und einem Kutter der Klasse ZK 10 betrieben werden.

Natürlich macht auch die allgemeine „Vereinsmüdigkeit“ in der Gesellschaft und der damit verbundenen Schwierigen bei der Nachwuchs- und Mitgliedergewinnung vor dem Marine-Verein Hof nicht halt. Der Überkonsum der „Neuen Medien“ bei Jugendlichen, die Abschaffung der Wehrpflicht sowie eine drohende Überalterung erfordern ein Umdenken, Neuausrichtung und Aufstellung des Vereins für die Zukunft. Vision ist es, einen maritimen Spartenverein für die ganze Familie zu etablieren, in der sich jeder, ob aktiver oder ehemaliger Seemann, Wassersportbegeisterter oder auch nur ein maritim Interessierter, egal ob jung oder alt, wiederfinden kann. Mit Seesport, Segeln, Gesang, geselligem Zusammensein, Veranstaltungen maritimer Art und natürlich auch nicht zuletzt die Lehre und Erhaltung maritimer Traditionen sowie den Erhalt und Förderung der Patenschaft mit der „Alster“ soll dieses Ziel erreicht werden.

Stand März 2019/Spörl